Lean und Prozesse

Womack, Jones und Roos folgerten, dass Toyota deshalb so erfolgreich ist, weil sie eine Produktion haben, die mit nur wenig Beständen, effizienten Prozessen und kurzen Durchlaufzeiten auskommt. Die Welt von Toyota war also „schlank“, sprich „lean“, aufgestellt. Damit haben sie aber nur ein Ergebnis gesehen, die Folge einer Denkweise, einer Lebens- und Arbeitseinstellung ist. Es geht aber vielmehr um eine Kultur und die innere Haltung der beteiligten Menschen, bestehend aus Mitarbeitern und Führungskräften, und das kann man eben nicht sehen. Der Fachbegriff, der sich aus den Analysen von Womack, Jones und Roos etablierte, beschreibt also nur einen sehr kleinen Teil und ein Ergebnis dessen, was sie herausfinden wollten und nicht den eigentlichen Kern.

Jetzt werden mir sicher sehr viele widersprechen. Schließlich wurden eine Vielzahl an „Lean“-Programmen eingeführt, um die in „Lean“ propagierte Eliminierung der Verschwendung, also die Arbeitsinhalte, die keinen Wert für die Kunden darstellen, systematisch zu beseitigen. „Lean“ wurde in allen möglichen Arten und Weisen „implementiert“ und fast jedes Unternehmen, das irgendwas auf sich hielt, baute seine eigene interne „Lean“-Truppe auf und einige verkaufen bis heute ihre vermeintliche Expertise als Beratungsleistung auf dem freien Markt. Eigentlich ist nichts Anderes passiert, als schon in den Jahrzehnten davor. Es wurde eine Methodik implementiert, die man als „Allheilmittel“ angepriesen hat. Zuvor gab es schon andere vermeintliche „Allheilmittel“, so zum Beispiel die Gruppenarbeit, TQC, SixSigma, REFA, MTM und viele andere. Diese Methoden und Vorgehensweisen sind nicht falsch, sie haben durchaus ihren Sinn, wenn man diese richtig anwendet. Aber wenn für das vorliegende Problem das richtige Werkzeug nicht im Kasten ist, muss man eben ein anderes nehmen oder sich ein neues Werkzeug ausdenken. Doch oft wird versucht jedes Problem mit demselben und bereits vorhandenen Werkzeug zu beheben, was weder sinnvoll noch zielführend ist. Man macht damit die Prozesse zum Sklaven der Methoden, anstatt umgekehrt die passenden Methoden den Prozessen unterzuordnen.

Übrigens! Die im Titel genannte Prozentzahl ist selbstverständlich frei erfunden. Dies hatten Sie ganz sicher bereits vermutet. (Bullshit)Kennzahlen jedoch gefallen die allermeisten Führungskräften – hinterfragt werden diese jedoch leider nur selten.

Speaker: Ralf Volkmer

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